
Ein steigender Ölpreis sorgt selten nur für Schlagzeilen. Seine eigentliche Dynamik entfaltet sich im Hintergrund entlang komplexer Wertschöpfungsketten. Genau dort entsteht aktuell eine Entwicklung, die viele Unternehmen nicht richtig einordnen können.
Die geopolitischen Spannungen im Nahen Osten haben zuletzt zu spürbaren Bewegungen am Ölmarkt geführt. Rohöl verteuert sich und zieht damit eine Vielzahl nachgelagerter Industrien mit sich. Betroffen sind nahezu alle, da spätestens bei der Auslieferung von Produkten und Rohstoffen in der Regel mineralische Treibstoffe verbraucht werden. Besonders betroffen zeigt sich die Petrochemie, deren Produkte beispielsweise als Grundlage für Kunststoffe dienen.
Kunststoffe begegnen Ihnen in der Produktionsindustrie nahezu überall. Verpackungen, Gehäuse, Folien oder Isolationsmaterialien basieren häufig auf petrochemischen Vorprodukten. Steigt der Ölpreis, verändern sich somit auch die Kostenanteile der Kostenstrukturen dieser Materialien.
Kostensteigerungen entlang der Rohstoffbasis bleiben selten isoliert. Vorprodukte durchlaufen mehrere Verarbeitungsschritte, bevor sie als Kunststoffgranulat oder fertige Komponente im Einkauf erscheinen. Jede dieser Stufen kann Preisveränderungen weitergeben oder verstärken.
Viele Einkaufsabteilungen sehen sich dadurch mit einer zentralen Frage konfrontiert: Wie stark und vor allem wann kommen diese Effekte tatsächlich im Einkauf an?
Stellen Sie sich einen Reservekanister vor, der in Serie produziert wird. Die Kostenstruktur könnte sich wie folgt zusammensetzen:
Materialkosten (Kunststoffgranulat): 60%
Direkte Personalkosten: 8%
Transportkosten: 8%
Verpackungskosten: 2%
Energiekosten: 4%
Restkosten/Gemeinkosten: 18%
Steigt der Ölpreis beispielsweise um 10 Prozent, wirkt sich dies nicht gleichermaßen auf das Endprodukt aus. Entscheidend ist der Anteil der petrochemischen Rohstoffe innerhalb der relevanten Kostentreibern.
Üblicherweise liegt der Kostenanteil des Rohöls zwischen 10 und 45 Prozent, abhängig vom eingesetzten Kunststoff. Angenommen, das eingesetzte Kunststoffgranulat basiert zu 70 Prozent auf ölpreisabhängigen Rohstoffen und Materialkosten machen, wie zuvor beschrieben, 60 Prozent der Gesamtkosten aus, würde diese Entwicklung zu einer Gesamtkostensteigerung von rund 4,2 Prozent führen.
Zusätzlich beeinflusst der Ölpreis auch die Transportkosten. Innerhalb dieser fällt ein relevanter Anteil auf Treibstoff, insbesondere Diesel. Wird angenommen, dass rund 33 Prozent der Transportkosten direkt vom Dieselpreis abhängen und Transportkosten insgesamt 8 Prozent der Gesamtkosten ausmachen, ergibt sich bei einer Dieselpreissteigerung von 40 Prozent ein zusätzlicher Effekt von etwa 1 Prozent auf die Gesamtkosten.
Eine isolierte Betrachtung greift jedoch zu kurz. Zeitverzögerungen in Lieferketten, bestehende Lieferverträge und strategische Preisbindungen sorgen dafür, dass diese Effekte oft erst Monate später sichtbar werden. Gleichzeitig spielen Faktoren wie Nachfrageentwicklung, Lagerbestände und Margenstrategien der Lieferanten eine entscheidende Rolle. Nicht selten erhöhen Unternehmen die Preise aus einem gewissen Sicherheitsfaktor in solchen Lagen.
Genau an dieser Stelle entsteht die eigentliche Herausforderung. Preissteigerungen erscheinen häufig plötzlich, obwohl ihre Ursachen lange zuvor entstanden sind. Einkaufsabteilungen stehen dadurch vor der Aufgabe, Entwicklungen frühzeitig zu erkennen und fundiert zu bewerten.
Bauchgefühl reicht hier nicht aus. Transparenz über Rohstoffabhängigkeiten und Kostenstrukturen wird zum entscheidenden Wettbewerbsvorteil.
Ein präziser Blick auf unser Beispiel zeigt, dass sich versteckte Preisentwicklungen durchaus spürbar auswirken können, insbesondere dann, wenn mehrere Kostentreiber gleichzeitig in dieselbe Richtung wirken. Gleichzeitig entstehen Handlungsspielräume dort, wo Effekte frühzeitig erkannt und strategisch gesteuert werden.
Ein entscheidender Vorteil entsteht dadurch, dass nicht erst reagiert wird, sobald Preise steigen, sondern Entwicklungen bereits im Vorfeld aktiv analysiert werden. Benchmarks, belastbare Daten zur Entwicklung von Rohstoffpreisen und individuelle Kalkulationen ermöglichen fundierte Entscheidungen.
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Welche Auswirkungen erwarten Sie in Ihrem Unternehmen? Werden steigende Ölpreise Ihre Kunststoffkosten spürbar beeinflussen oder bleiben die Effekte zunächst verborgen?
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